Ein Neujahrskindvon Christa A. |
Meinen 10. Geburtstag feierte ich, als wir in Deutschland noch nicht einmal ganze 5 Jahre die DM als Zahlungsmittel hatten. Es regierte der Kanzler Konrad Adenauer und unser Bundespräsident war Theodor Heuss. Das ist mir besonders gut im Gedächtnis geblieben, weil ich in dem Jahr an den Bundesjugendspielen teilnahm und mir dabei wie auch in den folgenden Jahren eine „Heuss-Urkunde“ erkämpfte. Ich war sehr sportlich, mehr Junge als Mädchen und mein Vater war mächtig stolz. Darum weiß ich auch, dass ich mir zu meinem Geburtstag einen Fußball aus richtigem Leder gewünscht habe. Über ein paar gute Schlittschuhe hätte ich mich auch riesig gefreut, denn meine Schlittschuhe von meinem 10 Jahre älteren Bruder oder von wem sonst auch immer waren einfach „abgelutscht“, ruinierten die Hacken meiner Schuhe und hatten überhaupt keinen richtigen Schliff. Aber für solche Dinge hatten meine Eltern damals leider nicht genügend Geld. Ich bekam zum Geburtstag eine Hose oder ein anderes Kleidungsstück - wichtigere Sachen! Ein paar hohe Schuhe hatte ich eine Woche vorher zu Weihnachten bekommen, denn ich bin ein „Neujahrskind“. Eingeladen hatte ich meine Freundin Hilde, mit der ich im nächsten Jahr 60 Jahre befreundet bin. Sie brachte mir 2 Sätze Albumbilder mit, die damals leidenschaftlich gesammelt und getauscht wurden. Wir tranken nachmittags so wie die „Alten“ ostfriesischen Tee mit selbstgebackenem Kuchen, Neujahrskuchen und zum Abendbrot gab es Kartoffelsalat mit Würstchen. Das war damals ein Festessen. Sonst gab es auch noch selbstgemachten Saft von Himbeeren, Kirschen oder Johannisbeeren, die auch ich im Sommer gepflückt hatte. Nach der Teezeit spielten wir „Mensch ärgere dich nicht“ oder gingen bei Schneewetter auch nach draußen. Da wir an diesem Tag die Kleidung „für gut“ trugen, konnten wir natürlich nicht so ausgiebig im Schnee oder auf dem Eis rumtollen. Das machten wir an den anderen Tagen, bis „das große Licht von oben“ ausgeschaltet wurde. Unsere Wohnstube war zu Weihnachten mit unserem sonst meist sich im „Ruhezustand“ befindenden eisernen Ofen geheizt. Holz. Torf und vielleicht auch ein paar Kohlen sorgten für wohlige Wärme. Auch wenn der Winter mit sehr strengen Temperaturen regierte, blieb an normalen Tagen und auch sonntags unser Wohnzimmer kalt und nicht selten waren Eiskristalle an den Wänden, und die einfach verglasten Fenster waren manchmal wochenlang zugefroren. Also war mein Geburtstag, der Neujahrstag ein ganz besonderer Tag, weil das Wohnzimmer an diesem Tag beheizt war. Wenn ich diese für heutige Zeit doch trostlosen Zustände so schildere, denn war es damals für uns das normale Leben. Ich kannte keine anderen wesentlich besseren Zustände, und ich war auch nicht besonders „sauer“, weil der eine oder andere Wunsch nicht erfüllt werden konnte. Niemand hatte besonders viel, und ich glaube, wir waren mit dieser bescheidenen Lebensart einfach zufrieden. |
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