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07. August 2009: Der Vorfall in Krümmel ist ein erneutes Warnzeichen

Interview mit Dr. Martin Baumert, Geschäftsführer der NaturWatt GmbH

Oldenburg, Juli 2009. Bis zum Jahr 2021 sollen alle Kernkraftwerke schrittweise abgeschaltet werden. Neue Reaktoren dürfen nicht gebaut werden. Während die Debatte um die Kernkraft und um eine nachhaltige Energieversorgung immer wieder aufflammt, sind bis heute erst vier Prozent der Deutschen Haushalte auf Ökostrom umgestiegen. Dr. Martin Baumert, Geschäftsführer der NaturWatt GmbH, spricht über die Atomkraft, erneuerbare Energien und die Bedeutung des Engagements jedes Einzelnen. 

Frage: Derzeit stammt noch fast die Hälfte des Grundlaststroms im deutschen Netz aus Kernkraftwerken. Immer wieder entbrennen hitzige Debatten um die Zukunft der Kernenergie. Bricht die Stromversorgung ohne Atomkraft zusammen?

Baumert: Nein, selbstverständlich nicht. Würden wir die Atomkraftwerke allerdings abrupt abschalten, würde uns sehr plötzlich ein Drittel unserer Energieerzeugung fehlen. Das wird aber nicht geschehen, denn wir haben das Atomausstiegsgesetz, das uns für den Ausstieg bis 2021 Zeit lässt.

Frage: Atomstrom wird immer wieder zu den günstigeren Energiearten gezählt. Die Herstellung von Solarstrom dagegen gilt als etwa 20-mal teurer. Kann das ein Argument für Atomstrom sein?

Baumert: Nein. Der Vergleich hinkt - er vergleicht Äpfel mit Birnen. Beim Atomstrom wird zumeist auf die aktuellen Erzeugungskosten eines - bilanziell abgeschriebenen - Atomkraftwerkes verwiesen. Diese kann man dann sehr günstig rechnen, wenn man davon ausgeht, dass das Kraftwerk ununterbrochen 8.760 Stunden im Jahr volle Leistung erbringt und die Kosten der Entsorgung des nuklearen Abfalls nicht mit einrechnet. Das ist natürlich ein Sonderfall. Der Preis des Solarstroms bezieht sich dagegen auf den im Erneuerbare-Energien-Gesetz festgelegten Vergütungspreis je Kilowattstunde. Dieser Preis wurde mit Blick auf die Förderung des Zubaus von Solarstromanlagen konzipiert und festgeschrieben. Beides lässt sich daher nicht vergleichen.

Frage: Ist der Vorfall in Krümmel ein Weckruf für die Deutschen, auf eine andere Art der Stromerzeugung zu setzen?

Baumert: Zumindest ist er ein erneutes Warnzeichen und nährt die Befürchtungen vieler besorgter Bürger. Ein großer Teil der Bevölkerung hatte nie das Vertrauen in die Kernenergie. Im Gegensatz zu früher hat man heute allerdings die Wahlmöglichkeit sich für „seine" Energieerzeugungsart zu entscheiden. Man muss sie allerdings auch greifen. Umfrageergebnisse belegen, dass mindestens die Hälfte der Bevölkerung gegen Kernenergie und fast 90 Prozent für die erneuerbaren Energien sind. Tatsächlich auf Grünstrom umgestiegen sind allerdings nur vier Prozent.

Frage: Warum steigen so wenige um?

Baumert: Die Angebote sind da, es ist nicht mal eine Preisfrage. Es ist eine Frage der Aktivität und der gefühlten Eigenverantwortung. Viele ordnen die Verantwortung für die Energieversorgung offenbar immer noch in erster Linie der Politik zu und verkennen ihre eigene Macht, die zweifellos vorhanden ist. Das bedauere ich sehr, weil die erneuerbaren Energien stark von der Nachfrage und damit von der Unterstützung durch die Energiekunden abhängen.

Frage: Die Förderung erneuerbarer Energien ist sicherlich angebracht. Was aber passiert, wenn kein Wind weht und dadurch kein Ökostrom produziert werden kann?

Baumert: Wir nutzen neben der Windenergie weitere Erzeugungsquellen, wie Wasserkraft und Solarkraft. Diese Quellen bündeln wir in einem Portfolio und bilden damit virtuelle Kraftwerke. Das heißt, wir nutzen erneuerbare Energien stets in Kombination und können so die Nachfrage bedarfsgerecht bedienen. Künftig werden wir allerdings sehr viel mehr auf Strom-Speicher und die intelligente und effiziente Nutzung von Energie setzen.

Frage: NaturWatt ist ein Tochterunternehmen des EWE-Konzerns. EWE betreibt zwar keine Atomkraftwerke, bietet aber herkömmlich produzierten Strom an. Wie lässt sich diese Abhängigkeit mit der Philosophie von NaturWatt vereinbaren?

Baumert: Zunächst einmal sind wir ein eigenständiges Unternehmen und agieren auch so. Wir haben natürlich Gesellschafter, von denen die EWE AG der größte ist. Die EWE ist ein kommunales Unternehmen, das sich schon seit Jahren sehr stark für die erneuerbaren Energien engagiert. Um diese in den Markt zu bekommen und ihnen damit eine nachhaltige Perspektive zu eröffnen, bedarf es der Nachfrage. Dies ist einer der Gründe, warum die NaturWatt GmbH gegründet wurde. Ein ebenso wichtiger Grund war die Erkenntnis, dass die Erneuerbaren am Anfang ihrer Karriere gefördert werden müssen. Deswegen werden die Gewinne, die wir erzielen, nicht an die Gesellschafter ausgeschüttet, sondern dienen der Förderung erneuerbarer Energien. Insofern hat NaturWatt ein sehr klares, zudem ein in Deutschland in seiner Eindeutigkeit einzigartiges Profil. Das ist und bleibt auch so.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

 

NaturWatt Ökostrom Imke Allendorf

Imke Allendorf, Kulturwissenschaftlerin:

„Die Wende zu einer nachhaltigen Energieversorgung lebt von der Akzeptanz der erneuerbaren Energien. Aufklärung und Transparenz sind dafür unverzichtbar.“

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Imke Allendorf
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imke.allendorf@naturwatt.de

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